07.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Offene Kirchen in Coronazeiten

Mehr als 1000 Kirchen in Berlin und Brandenburg laden zum Besuch ein – im Havelland öffnen fast 60 Gotteshäuser zur coronagerechten stillen Einkehr.

Das Prinzip der offenen Kirche wird in Zeestow und Paretz verinnerlicht. Sie laden das ganze Jahr zum Besuch und zur stillen Einkehr ein. Die Häuser können täglich besucht werden. Andere laden in den Sommermonaten zum Besuch. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gibt dazu eine Broschüre heraus, stellt ausgewählte Projekte in Wort und Bild vor. Er reicht ein Verzeichnis aller teilnehmenden Kirchen mit Ansprechpartnern hinzu. Mehr als eintausend sind es insgesamt, 59 davon aus dem Landkreis Havelland.

Vor 30 Jahren gegründet

Dabei gibt es in diesem Jahr ein kleines Doppeljubiläum zu feiern. Vor 30 Jahren – genau am 4. Mai – fanden sich in Ostberlin 30 Frauen und Männer zusammen, um unter dem Motto „Gefährdete Kirchen. Retten – Erhalten – Nutzen“ einen Verein zu gründen: den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. Er selbst hat etwa 100 Kirchbauvereine bei der Gründung mit einem Startkapital unterstützt. Seit 20 Jahren organisiert er nun die Aktion der offenen Kirchen.

Viele Kirchen laden zum Besuch, zum Gebet und zur stillen Einkehr oder um ein Stück Kulturgeschichte erlebbar zu machen.
Die Kirche im havellädischen Ribbeck
Quelle: Marlies Schnaibel
Die Kirche Ribbeck darf derzeit nur nach Aufforderung betreten werden. Und es heißt: Bitte Klinke nicht anfassen.
Quelle: Marlies Schnaibel


Die Autobahnkirche Zeestow hat das ganze Jahr geöffnet.
Die Autobahnkirche Zeestow hat das ganze Jahr geöffnet.
Quelle: Marlies Schnaibel

Man könnte auch sagen, die Aktion der halb-offenen Kirchen. Denn nur die wenigsten sind einfach so geöffnet wie in Zeestow und Paretz. Auch in Seeburg und in Falkensee-Falkenhagen sind die Kirchen offen. Aber ansonsten muss sich der Besucher um einen Schlüsselbevollmächtigten kümmern. Die werden alle online aufgelistet. Oft sind aber am Schaukasten der Kirche Ansprechpartner genannt. Wer will, kann also seinen Ausflug vorher genau organisieren, wer will, kann aber auch auf gut Glück losfahren und sich durchklingeln.

Ansprechpartner vor Ort

Das geht meistens unkompliziert, weiß Karl-Heinz Lauenstein in Haage. „Wer kommt, kommt auch rein“, meint er, er geht mit in die Kirche und gibt eine kleine Erklärung ab. Und er beobachtet immer wieder: Die Leute sind begeistert von dem Altar, der wegen seiner künstlerischen Ausführung und wegen seiner wechselvollen Geschichte so interessant ist. „Es kommen keine Massen an Besucher, sondern immer mal wieder Einzelbesucher oder kleine Gruppen“, hat er in den vergangenen Jahren beobachtet.

Radler in Senzke

Im benachbarten Senzke am Havellandradweg schauen schon eher noch mal Radwanderer vorbei. Die Kirche hat nun wieder nicht so einen prächtigen Altar wie in Haage, dafür aber besondere Tafelbilder zu bieten. „Jede der Kirchen in unserer Region hat eine Besonderheit“, weiß Karl-Heinz Lauenstein. Und so kann es schon mal sein, dass einzelne Besucher ganz gezielt kommen.

Gefragte Taufengel

Diese Erfahrung hat auch Christel Waeder in Rohrbeck gemacht. „Manche kommen nur wegen unseres Taufengels“, sagt sie. Manche haben sich eine richtige Taufengel-Tour zusammengestellt. Denn auch Dyrotz, Markau, Markee und Etzin sind bei dem Thema interessant. Seit Jahren schließt Christel Waeder Besuchern die Kirche auf, macht eine kleine Führung und schaut nach dem Rechten. Ein bisschen passt sie auch auf, dass die Gäste nicht das empfindliche Altarbild anfassen.

Ribbecker regeln Besuch

Meist kommen Einzelpersonen oder Familien, Massen strömen nicht. So ist ein Besuch auch unter Corona-Bedingungen möglich. Dass die Epidemie nicht spurlos an den Kirchen vorübergeht, sieht man in Ribbeck. Das Haus ist freitags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr offen, schriftlich werden die Besucher an der Eingangstür dazu aufgefordert, die Türklinke nicht anzufassen. Die Kirchentür ist verschlossen, die Besucher werden eingelassen.

Sakrale Vielfalt von Berge bis Zeestow

 Die Broschüre „Offene Kirchen“ listet die Teilnehmer auf und berichtet in Beiträgen über ausgewählte Kirchen, darunter diesmal Pessin. Das Heft ist in Buchläden und Museen erhältlich.

Im Osthavelland sind – meist nach Absprache – geöffnet: Berge, Börnicke, Brädikow, Buchow-Karpzow, Dyrotz, Elstal, Etzin, Falkenrehde, Falkensee (Falkenhagen, Seegefeld, Finkenkrug), Friesack, Haage, Hoppenrade, Lietzow, Markau, Markee, Nauen, Paaren im Glien, Paretz, Paulinenaue, Perwenitz, Pessin, Priort, Retzow, Ribbeck, Rohrbeck, Schönwalde-Dorf, Seeburg, Senzke, Tremmen, Vietznitz, Wagenitz, Wansdorf, Warsow, Wustermark, Wutzetz und Zeestow.

Im Westhavelland sind dabei: Buckow, Döberitz, Ferchesar, Görne, Großderschau, Hohenauen, Kleßen, Liepe, Mögelin, Nennhausen, Parey, Premnitz, Rathenow, Rhinow, Spaatz, Stechow, Steckelsdorf, Stölln, Wassersuppe, Witzke und Wolsier.

Gebet und stille Einkehr für die einen, kulturhistorische Erkundung für die anderen – die Kirchen im Havelland öffnen sich für verschiedene Besucher. Die Vielfalt der Gotteshäuser ist groß. Zu sehen gibt es etwa die Rosenkanzel in Schönwalde-Dorf, das Votivgemälde in Wagenitz, die Zwiebeltürme in Tremmen und die Barockpracht in Markau. Oder die barocke Stuckdecke mit Engelsrelief in Pessin.

Pessiner Sanierungserfolg

Die Pessiner Kirche wird in der aktuellen Broschüre „Offene Kirchen“ in einem großen Beitrag vorgestellt. Andreas Flender berichtet von der Sanierung der Dorfkirche. Denn natürlich will der Verein „Alte Kirchen“ auch weiterhin auf den Sanierungsbedarf der sakralen Bauten hinweisen.

Von Marlies Schnaibel

Märkische Allgemeine Zeitung, 07.07.2020
Zu den Kirchen
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