24.11.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Orgel aus Altdöbern umgesetzt

Das Tasteninstrument stammt aus dem Königlich-Preußischen Lehrerseminar in Altdöbern. Im kommenden Jahr soll es in Frankenförder Kirche erklingen.

In der Frankenförder Dorfkirche könnte schon bald wieder Musik erklingen. Bis in die 60-er Jahre stand dort eine Orgel, die abgebaut und in einer alten Scheune gegenüber gelagert wurde. Allerdings war die Scheune nicht überdacht, die Metallpfeifen gingen kaputt und die Holzwürmer zerfraßen im Laufe der Jahre die Holzpfeifen. Kein einziges Teil konnte gerettet werden. Und so musste bei Gottesdiensten jahrzehntelang auf eine musikalische Orgelbegleitung verzichtet werden. 

Das Kopfstück wiegt gut 1,5 Tonnen.

Das Kopfstück wiegt gut 1,5 Tonnen. Quelle: Margrit Hahn

Als Kreiskantor Peter-Michael Seifried erfuhr, dass in Altdöbern im Gebäude, das 1892 als Königlich-Preußisches Lehrerseminareingeweiht wurde, eine nicht mehr benötigte Orgel steht, wurde er hellhörig. Er suchte nach einer Kirche, die zwar eine Empore aber keine Orgel hat. Und so fasste der Gemeindekirchenrat Frankenförde/Gottsdorf den Beschluss, dass die Orgel nach Frankenförde kommen soll. Es folgten Gespräche mit den Denkmalschutzbehörden der beiden Landkreise und dem Statiker. Nachdem es keine Einwände gab, konnte das Projekt starten. 

Schwergewicht mit 1,5 Tonnen 

Jan Soyez und Markus Röthel vom Gemeindekirchenrat fuhren am Donnerstag nach Altdöbern. Dort wurde das Instrument von Orgelbaumeister René Paul aus Niederröblingen (Sachsen-Anhalt) fachmännisch in Einzelteile zerlegt und das Kopfstück mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen drei Stockwerke nach unten gewuchtet, verladen und nach Frankenförde gebracht.

Alle Einzelteile wurden feinsäuberlich in der Frankenförder Dorfkirche aufgereiht.

Alle Einzelteile wurden feinsäuberlich in der Frankenförder Dorfkirche aufgereiht. Quelle: Margrit Hahn

In Altdöbern stand die Orgel in einem geheizten Raum. Jetzt in der kalten Kirche in Frankenförde muss sie sich erst akklimatisieren, bevor René Paul ans Werk gehen kann. Der Fachmann will sehen, was er vor Ort erledigen kann, und was in der Werkstatt gemacht werden muss. „Ich schätze hier liegen insgesamt 30.000 Einzelteile, wenn man jede Schraube und jeden Winkel mitrechnet“, so der 32-Jährige. Im Laufe der Jahre sind zum Teil auch andere Stimmen hinzugekommen, so dass René Paul, nachdem er alle Teile wieder zusammengebaut hat, eine klangliche Rückführung des Instrumentes vornehmen muss. 

Im Vergleich: die Original Registerschilder auf dem Handy und die später angebrachten Holzschilder.

Im Vergleich: die Original Registerschilder auf dem Handy und die später angebrachten Holzschilder. Quelle: Margrit Hahn

Mit einer Arbeit konnte er Musikdirektor Peter-Michael Seifried schon gleich begeistern. Paul hatte durch Zufall entdeckt, dass auf den originalen Registerschildern Holzschilder aufgeschraubt wurden. „Ich hätte nie gedacht, das jemand auf die Idee kommt, auf die gutlesbaren Originale neue Schilder anzubringen“, sagt der Orgelbaumeister verwundert. 

Orgel soll Ostern 2021 wieder spielen 

Peter-Michael Seifried schwärmt von der Orgel, die 1892/393 von der Orgelbauerfamilie Nagel aus dem sächsischen Großenhain gebaut und zwei Jahre später durch Orgelbauer der Fima Sauer in Frankfurt (Oder)erweitert und umgebaut worden ist. Laut Plan soll auf der Orgel spätestens zu Ostern kommenden Jahres wieder gespielt werden. 

Sie soll künftig als Lehrinstrument für die Orgelschüler aus dem Kompetenzzentrum Jüterbog genutzt werden. Als Lehrinstrument wurde sie ursprünglich konstruiert und auch jahrelang von angehenden Lehrern genutzt. „Ich hoffe, wir finden auch in Frankenförde jemanden, der sich fürs Orgelspielen interessiert“, so Seifried. 

Orgelbaumeister René Paul schraubt hier die Holzschilder ab, die die Originale verdeckten.

Orgelbaumeister René Paul schraubt hier die Holzschilder ab, die die Originale verdeckten. Quelle: Margrit Hahn

Die Altdöberner gaben ihre Königsinstrument nur ungern weg, waren aber froh, dass es in gute Hände kommt. Jan Soyez konnte dafür sprichwörtlich seine Hand ins Feuer legen. Der Diplom-Kaufmann gilt als führende Kraft der außergewöhnlichen Aktion. „Die Orgel findet einen dauerhaften Platz in unserer Feldsteinkirche“, versprach Soyez. Er half auch mit, die zahlreichen Orgelpfeifen in Luftpolsterfolie zu wickeln, das Gehäuse zu verpacken und die Ladung in Frankenförde wieder auszupacken. Soyez ist froh, dass die Altdöberner Orgel wie angegossen auf die Empore in der Frankenförder Kirche passt und kann es kaum erwarten, dass Instrument zu hören. 

Von Margrit Hahn

Märkische Allgemeine Zeitung, 24.11.2020
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