26.11.2020  –  Märkische Oderzeitung

Orgel der Kirche in der Altstadt in Storkow wird saniert – so teuer wird das Projekt

20 Jahre hat sich nicht viel getan – nun nimmt die evangelische Kirchengemeinde aus Storkow viel Geld in die Hand.

26. November 2020, 07:00 Uhr•Storkow
Von Bernhard Schwiete

Stolz auf die Orgel: Ingrid Miethe vom Gemeindekirchenrat und Pfarrer Robert Parr in der evangelischen Kirche in der Storkower Altstadt
Unter Einsatz von Spezialtechnik: Der ausgebaute Spieltisch der Storkower Orgel wird von der Empore nach unten transportiert. Fotos: Robert Parr

Wenn in der evangelischen Kirche in der Storkower Altstadt Gottesdienst gefeiert und dabei musiziert wird, dann erklingt zurzeit nicht die Orgel, sondern ein Flügel. Denn die Orgel auf der oberen Empore ist seit kurzem unvollständig. Der Spieltisch ist ausgebaut. Er wird repariert – was nur der erste Schritt einer umfassenden Sanierung des Instrumentes ist. Die Evangelische Kirchengemeinde Storkower Land, die sich zu diesem Schritt entschlossen hat, stellt das vor eine große Herausforderung: Die nötigen Finanzmittel müssen gewonnen werden. Erforderlich sind insgesamt rund 100.000 Euro.

Wurmbefall am Spieltisch festgestellt

Seit mehr als 20 Jahren hätten an der Orgel keine größeren Reparaturen mehr stattgefunden, berichtet Ingrid Miethe vom Gemeindekirchenrat. Das Ergebnis: „Manchmal hat die Orgel kurz ausgesetzt, weil einzelne Töne gar nicht mehr zu hören waren. Unsere Chorsänger sind dann immer zusammengezuckt“, erzählt sie. Außerdem habe sich das Klangbild verändert, weil sich in den Orgelpfeifen Staub abgelagert habe. Manche Pfeifen drohten sogar umzukippen. Am Spieltisch seien die Tasten teils gebrochen gewesen, bei einer Besichtigung sei zudem ein Wurmbefall im Holz festgestellt worden.

Regelmäßig auch weltliche Konzerte

Der neue Storkower Pfarrer Robert Parr, der erst seit August in der Stadt ist, steht hinter der Entscheidung des Gemeindekirchenrates. „In eine Kirche wie unsere, mit Kantorin und Chor, gehört eine gut funktionierende Orgel“, sagt er. Zudem sehe man sich auch in einer Verantwortung für die Stadt. Abseits der Corona-Pandemie finden in der Altstadtkirche auch regelmäßig weltliche Konzerte statt.In einem ersten Schritt wurde nun der Spieltisch ausgebaut sowie mit einem Spezialkran nach unten und aus der Kirche befördert. Restauriert wird er bei Sauer Orgelbau in Müllrose. „Die Firma macht das mit Herzblut. Sie hat zuvor den Bestand dokumentiert und uns ein 16 Seiten langes Angebot gemacht“, sagt Miethe. Rund 20.000 Euro werden allein für den Spieltisch fällig. Aufgebracht wird diese Summe aus verschiedenen Töpfen.

Hoffnung auf Spenden in der Weihnachtszeit

Die Kirchengemeinde greift in ihre Rücklagen, der Evangelische Kirchenkreis Oderland-Spree gibt 2500 Euro hinzu. Rund 3000 Euro hat die Gemeinde in den zurückliegenden vier Monaten bereits durch Einzelspenden und Kollekten eingeworben, wie Parr berichtet. „Alle sechs Wochen sammeln wir nach dem Gottesdienst für die Orgel“, erläutert er. Nun hofft er auf Spenden in der Weihnachtszeit – weitere 4000 Euro hat er dabei als Zielmarke ausgegeben. „Dann wären wir bei 50 Prozent der Gesamtsumme angelangt, darüber wäre ich schon sehr froh und dankbar.“

Symbolische Orgelpfeife auf dem Markt als Idee

Wie es danach mit den folgenden Reparatur-Abschnitten weitergeht, hängt auch von der weiteren Finanzierung ab. Miethe spricht von einem Prozess, der sich vermutlich über mindestens drei Jahre hinziehen wird. Ideen, woher das Geld kommen könnte, gibt es bereits. Parr denkt an eine Festschrift zur Orgel-Sanierung, in der Sponsoren benannt werden könnten, aber auch daran, auf dem Marktplatz eine symbolische Orgelpfeife aufzustellen, die gleichzeitig als Spendenbox dienen könnte. In der warmen Jahreszeit soll bei Konzerten gesammelt werden. „Ein kleines Problem für uns ist natürlich, dass Spendenkonzerte zurzeit wegen Corona nicht möglich sind“, so der Pfarrer. Der restaurierte Spieltisch, so die Hoffnung der Storkower Protestanten, soll spätestens zu Ostern wieder zurück an seinem Platz in der Altstadtkirche sein. Dann ist die Orgel trotz der noch anstehenden Arbeiten wieder spielfähig, und der Flügel muss nicht mehr als Ersatz herhalten. „Uns ist angekündigt worden, dass die Klangqualität mit dem reparierten Spieltisch schon deutlich besser sein wird als zuletzt“, erzählt Ingrid Miethe erfreut.

Märkische Oderzeitung, 26.11.2020
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