03.03.2021  –  Märkische Oderzeitung

Russische Munitionskiste hilft seltenen Schleiereulen in der Kirche Biesenbrow

Bei ihrer ehrenamtlichen Naturschutz-Arbeit stoßen Eulen-Helfer der Uckermark auf unvorhergesehene Unterstützung.

03. März 2021, 18:30 Uhr•Biesenbrow
Von Oliver Schwers

Unerwartete Hilfe: Andreas Klemcke und Felix Schwebe haben in der Kirche von Biesenbrow zugepackt, um wieder Schleiereulen anzusiedeln.
Unerwartete Hilfe: Andreas Klemcke und Felix Schwebe haben in der Kirche von Biesenbrow zugepackt, um wieder Schleiereulen anzusiedeln. © Foto: Olaf Rochlitz

Nicht schlecht staunte Eulenkundler Olaf Rochlitz, als er bei seiner ehrenamtlichen Hilfe für Schleiereulen plötzlich ungeahnte Unterstützung erhielt. Er wollte gerade gemeinsam mit seinem Neffen einen alten Nistkasten in der Kirche von Biesenbrow reinigen und reparieren, da trafen sie völlig überrascht vor Ort auf Andreas Klemcke, einen der Gemeindekirchenratsältesten, und seinen Schwiegersohn Felix Schwebe, die schon bei der Arbeit waren. Mit Hilfe eines Flaschenzugs hatten sie den Nistkasten abgesenkt, ihn komplett gereinigt und die als Verschluss angenagelten Bretter entfernt. Nun waren sie schon im Begriff, den Nistkasten wieder an seinen Einbauort zurück zu heben um ihn dort zu befestigen.Genau das hatte Olaf Rochlitz auch vor. Denn wegen der umfangreichen Renovierungsarbeiten der Dorfkirche Biesenbrow im vergangenen wurde in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde die Einflugöffnung des im Kirchenschiff befindlichen Schleiereulennistkastens vorsorglich verschlossen. So wollte man verhindern, dass brütende Schleiereulen die Bauarbeiten verzögern könnten.

Einer der ersten Nistkästen im Altkreis Angermünde

Nach Beendigung aller Arbeiten hatte man aber vergessen, das Loch wieder zu öffnen. Der Nistkasten lag „Eulenvater“ Helmut Schmidt besonders am Herzen, handelte es sich doch um einen der ersten, die er und andere Naturschützer Mitte der 1980er-Jahre im Kreis Angermünde angebracht hatten. Aus einer alten russischen Munitionskiste hergestellt, besaß er mittlerweile nahezu antiquarischen Wert.

Ein erster Versuch, den Verschluss des Einfluglochs über eine Leiter wieder zu entfernen, schlug fehl. Auch musste der zur Hälfte mit Gewöllen und Exkrementen vieler Generationen von Schleiereulen gefüllte Kasten gereinigt werden. Ausgerüstet mit allen vorbereiteten Utensilien und Materialien trafen dann die Helfer auf ihre Helfer. „Man kann sich vorstellen, wie überrascht und zugleich erleichtert wir waren, dass genau an dem Tag, als wir zur Tat schreiten wollten, bereits zwei engagierte Bürger die Mühen dieser komplizierten und nicht ganz ungefährlichen Arbeit auf sich genommen hatten“, so Rochlitz. „Bleibt zu hoffen, dass schon bald wieder ein Eulenpaar einzieht und der Nistkasten noch mindestens 25 weitere Jahre vielen Schleiereulengenerationen eine Herberge sein wird.“

Märkische Oderzeitung, 03.03.2021
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