19.02.2020  –  Lausitzer Rundschau

Zisterzienser auf Papier und Pergament

Psalmenkommentare, theologische Sammelschriften der Kirchenväter und die Benediktsregel, nach der auch die Zisterziensermönche seit Jahrhunderten leben, werden ab 22. Februar in einer Sonderausstellung im Kloster Neuzelle (Oder-Spree) gezeigt. Die historischen Dokumente aus dem 15. Jahrhundert sind handschriftlich auf Papier oder Pergament verfasst. Sie gelangten über viele Umwege vor etwa 190 Jahren in die Staatsbibliothek Berlin.

„Die Stiftung Stift Neuzelle hat nicht nur die Aufgabe, die einzige barocke Klosteranlage Brandenburgs zu erhalten und zu restaurieren. Das Kulturerbe und die Geschichte sollen der Öffentlichkeit auch zugänglich gemacht werden“, betont Stiftungssprecher Tilmann Schladebach.

Für die einst auf dem Kirchen-Dachboden entdeckten und sorgsam restaurierten Passionsdarstellungen aus dem 18. Jahrhundert wurde in Neuzelle das „Himmlische Theater“ gebaut. Die ständige Ausstellung im Kreuzgang des Klosters war vor zwei Jahren überarbeitet worden. In Kopie dort zu sehen ist unter anderem der Stiftsatlas. Das wertvolle Original lagert ebenfalls in der Berliner Staatsbibliothek. „Als wir die Dauer-Ausstellung damals vorbereiteten, wurden wir auf die historischen Handschriften aufmerksam gemacht„, sagt Schladebach.

Konkret handele es sich um sieben Dokumente. Die historischen Handschriften seien in Latein, teilweise aber auch in Mittelhochdeutsch schlesischer Mundart verfasst. „Dass heißt: Die Exponate erschließen sich nicht von selbst, müssen erklärt werden.“ Deshalb habe die Stiftung einen 90-seitigen Begleitband „Zisterzienster auf Papier und Pergament“ entwickelt. Darin erläutert werde auch die Geschichte des Klosters und wie die gezeigten Originale schließlich in den Besitz der Staatsbibliothek gelangten.

„Die historischen Dokumente schaffen eine Brücke zwischen der architektonischen Hülle der Anlage und dem einstigen Leben der Zisterzienser hier“, sagt Pater Kilian Müller. Er gehört zu den sechs Mönchen eines neuen, 2018 gegründeten Priorats zur Wiederbesiedlung des Klosters und ist sehr gespannt auf die historischen Zeugnisse seiner Glaubensbrüder.

Dass es nur so wenige Nachweise aus der einstigen Klostergeschichte gibt, liege an der Historie der Anlage, sagt Schladebach. 1268 gegründet, wurde das Kloster zu Beginn des 15. Jahrhunderts zweimal von Hussiten heimgesucht. Konvent und Bibliothek wurden geplündert, aus jener Zeit ist nichts erhalten. „Danach mussten Handschriften so ab 1455 für den täglichen Gebrauch, der Messe und im Chorgebet neu geschrieben werden, beispielsweise Mess-, und Gesangsbücher sowie Gebete“, erläutert Schladebach.

1817 war das Kloster Neuzelle schließlich aufgelöst worden. „Die Besitztümer inklusive der umfangreichen Bibliothek gingen an den preußischen Staat, wurden verkauft und so in alle Winde zerstreut“, erklärt der Mitarbeiter der Stiftung. Weltweit gebe es noch 15 Original-Dokumente aus Neuzelle, sieben davon lagern in der Staatsbibliothek, hat er herausgefunden.

Herzstück seien drei Bände mit Psalmenkommentaren, die jetzt in der Sonderausstellung gezeigt werden. „Am Ende eines Buches haben wir sechs Notizen aus der Klosterapotheke gefunden, unter anderem zur Herstellung von Tinte und von einer Kräutertinktur zur Behandlung von Fußleiden“, erzählt Schladebach. Dieses Rezept habe die Stiftung in Vorbereitung der Ausstellung in der Neuzeller Klosterbrennerei nachproduzieren lassen.

Der „Pilgertrost“ sei ein bitterer Kräuterschnaps, der so aber nicht genannt und auch nicht verkauft werden dürfe, sagt Schladebach. „Nach heutigem Recht handelt es sich um kein Arzneimittel und keine Spirituose mit Gesundheitsversprechen.“ Gegen eine Spende können Besucher der Sonderschau den „Pilgertrost“ als Erinnerungsstück mitnehmen.

Lausitzer Rundschau, 19.02.2020
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