Innovative Ideen und Beharrlichkeit
Zur Erfolgsgeschichte des Altkünkendorfer Fördervereins anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums

„Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig“, heißt es in Matthäus 14,13, als Choral ganz ohne Pathos vertont von Felix Mendelsohn-Bartholdy im Oratorium Elias. Ruhe, Geduld und Ausdauer im Glauben gegen alle Widrigkeiten und Unvorhersehbarkeiten, bis das Verkündete erreicht ist, ob nun christlich beseelt oder rein weltlich der Schöpfung zugewandt. Wer sich über drei Dekaden für eine Sache einsetzt, diese nicht aufgibt, hat Beharrlichkeit bewiesen und wird durch einen stillen Blick auf das Gemeinschaftswerk belohnt werden. Die Rede ist von allen Engagierten im und um den Förderverein Dorfkirche Altkünkendorf e.V., den 1995 einige Familien des uckermärkischen Dorfes nahe Angermünde aus der Taufe hoben. Drei Dekaden kann nur heißen, dass nicht mehr alle aus der Anfangszeit dabei sind. Drei Dekaden machen nachdenklich, ob so mancher Unstimmigkeiten über Etappenziele. Doch drei Dekaden Engagement legen unweigerlich Zeugnis davon ab, wie ein sakrales Gebäude zum Zentrum des Ringens um die Bedeutung des eigenen Dorfes wird und wie eine Idee über Generationen erfolgreich weitergetragen werden kann. Denn letztlich wurden alle Erhaltungsbemühungen an der Altkünkendorfer Dorfkirche erfolgreich umgesetzt. „Wer aber beharrt bis ans Ende…“.
Ob sich jemand eines Tages auf die Suche nach einer Erklärung macht, warum Beharrlichkeit an einem Ort mehr zum Erfolg führte als an anderen Orten? Altkünkendorf mit seinen nicht einmal 200 Einwohnern könnte helfen, das Rätsel teilweise zu lüften. Die dortigen Kirchenengagierten können berichten von Glück einerseits, aber auch von einer Serie ungewöhnlicher Lösungsvorschläge andererseits, die hier verhandelt und realisiert wurden. Die erste Idee darunter war vielleicht noch die konventionellste. Ein Nutzungsvertrag von 1996 des jungen Fördervereins mit der Kirchengemeinde verhalf, vielfältiger Veranstaltungen in der Dorfkirche stattfinden zu lassen als bisher, um mehr Spenden zu sammeln. Es wurden immerhin 30.000 DM allein für ein solides Architektengutachten gebraucht, um die umfänglichen Schäden an der Kirche zu erfassen. Die mittelalterliche Dorfkirche war zwar 1988 in der DDR unter Denkmalschutz gestellt worden, erfuhr aber nur notdürftige Reparaturen, die das Schadensbild nicht behoben. Als nun 1997 das Sachstandsgutachten auch mit Hilfe eines zinslosen Kredits eines Neu-Altkünkendorfers vorlag, war unweigerlich klar, dass der Förderverein um ein Vielfaches mit der Umsetzung der Kirchenrettung überfordert sein würde. Das Dach war undicht, Nässeschäden und Hausschwamm hatten dem Gebäude zugesetzt. Sogar die Fundamente waren unterspült und der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Turm einsturzgefährdet. Wollte man nicht aufgeben, mussten alle Verantwortlichen an den Tisch geholt werden, das Dorf, die Kircheninstanzen, der Bauunternehmer, die untere und obere Denkmalschutzbehörde sowie wichtige Amtsvertreter in Angermünde. Und eben zu der Zeit entstand die erste ungewöhnliche Idee unter Beteiligung der Arbeitsfördergesellschaft. Das 1998 entworfene Finanzierungskonzept sah neben Eigenmitteln und öffentlichen Fördermitteln den Einsatz von 30 ABM-Kräften vor, die für das Projekt von der Baufirma eingestellt wurden. Unter Anleitung und Mitarbeit letzterer wurde von 1999 bis 2001 als erster Bauabschnitt das Kirchenschiff in Angriff genommen, um mit dem zweiten Bauabschnitt auch noch den Turm zu sanieren. Insgesamt wurden stattliche 2,2 Millionen DM eingesetzt. Hierbei war eine zweite innovative Idee zur Umsetzung gekommen. Warum nicht den Turm der Kirche dauerhaft an einen Bauherrn abgeben, der entsprechend den Löwenanteil der Kosten übernimmt? Denn wer trägt schon einen Turm einer Dorfkirche davon, zumal wenn diese – wie 2001 geschehen – persönlich vom Bischof Wolfgang Huber eingeweiht wurde. Und die Serie innovativer Ideen riss nicht ab. Im Jahr 2002 fand erstmals ein Schorfheidelauf statt, der Naturerlebnis und Sportbegeisterung mit dem Ort Altkünkendorf verband. Dafür wurde die Satzung des Fördervereins um den gemeinnützigen Förderzweck „Sport“ erweitert. Der Lauf, nicht von allen Einheimischen mit Wohlwollen betrachtet, wurde zur Institution im Biosphärenreservat, dessen Grumsiner Buchenwälder 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe aufgewertet wurden. Altkünkendorf konnte als eines der Eingangstore des Weltnaturerbes mit eigenständigem Informationsort (2013) auftrumpfen, der bis heute besteht. Im Jahr 2014 wurde wiederum in der Vereinssatzungsänderung der Leitgedanke verankert, die Bewahrung der Schöpfung mit der Förderung des Naturschutzes zu verschränken. Am Ort nicht unumstritten war die Begleitidee, den Kirchturm als Aussichtspunkt auf die Grumsiner Wälder zu nutzen. Touristenblicke in private Gärten und Grundstücke? Dennoch gelang die Umsetzung im Jahr 2019, wodurch die Funktion der Dorfkirche als nunmehr regionaler Knotenpunkt eine weitere Verdichtung erfuhr.



Währenddessen ging es unermüdlich im Kircheninneren weiter. In vielen Dorfkirchen sind bis heute Orgelreparaturen oft nur als Luxusprojekte realisierbar, weil marode Kirchdächer oder wackelige Kirchtürme Vorrang haben müssen. Dem Förderverein Dorfkirche Altkünkendorf gelang der Schritt der Orgelsanierung durch eine außergewöhnliche Spende eines Mitglieds schon bis zum Jahr 2005. Blieb das nächste Manko zu beheben. Der ursprüngliche Altar war nicht erhalten und selbst das Wissen um seinen Verbleib verschollen. Der improvisierte hölzerne Altartisch konnte keine Dauerlösung bleiben. Und so lobte der Förderverein mit Unterstützung des Landkreises Uckermark trotz Corona-bedingt widriger Umstände einen Wettbewerb aus, um mit Experten als Jury den passendsten Entwurf auszuwählen. Die Jury, zu deren Runde auch der Förderkreis Alte Kirchen zählte, würdigte mehrere Entwürfe in der Endauswahl. Aus heutiger Sicht erscheint die nahezu einstimmige Entscheidung von 2021 noch immer die richtige, was gerade die Erinnerungen an die beeindruckenden Alternativen unterstreichen. So der Entwurf des Bildhauers Matthias Zágon Hohl-Stein unter seiner Reflexion über „Natur, Glaube, Nachhaltigkeit“, der einen schillernd-leuchtenden Altar mit Waldmotiv zum unvergesslichen Erlebnis gemacht hätte. Werner Mally legte mit seiner Kugelsphäre einen Altarentwurf für die „Schöpfung –Erdkugel – Heimat der Menschen“ vor. Eindrücklich wäre auch die imposante Raumkonzeption von Philipp Fürhofer geworden im alttestamentarischen „Und Gott sprach: es werde…“ Und es wäre Licht geworden in der Altkünkendorfer Kirche. Gewählt wurde die dezentere Lösung eines Altars aus gestampften Erdschichten der Umgegend von der Münchenerin Künstlerin Sabine Straub. Ihr Hexagon nahm Elemente der Kirchenarchitektur auf, das verwendete Material aus Lehm, Ton und Schluff würde sogar positiv auf das Klima im Kirchenhaus wirken.
Als Bischof Christian Stäblein am Ostermontag, den 10. April 2024, zur Einweihung des Altars predigte, erinnerte er daran, dass das Sechseck für die sechs Tage Arbeit in der Schöpfung stehe. „Und am siebenten Tag, da ruhte Gott, da versammelt Ihr Euch hier.“ Seitdem sind die Tage des Fördervereins schon wieder gut gefüllt worden. Als bisher letztes Projekt gelang die Sanierung der hölzernen Kirchentür im Westportal. Wenn nun weitere Aufgaben wie im Bereich des Glockenstuhls und des Geläuts anstehen, bleiben kaum mehr Zweifel, dass hier jeder selig werden wird. Zu allen Erfolgen der Vergangenheit und Zukunft sendet der Förderkreis Alte Kirchen anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Fördervereins Dorfkirche Altkünkendorf herzlichste Glückwünsche und ein: Chapeau!
Sascha Topp