Das Gemälde der Familie von Bredow in der Dorfkirche Wagenitz braucht Hilfe

Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ 2025/2026 hat begonnen

Gesamtaufnahme des Familienbildes

Es ist Advent und auch in diesem Jahr sammeln wir wieder Spenden für ein bedeutendes Kunstwerk, das dringend restauriert werden muss. Für die Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe“ wurde das großformatige Gruppenbild der Familie von Bredow (1667) in der Dorfkirche Wagenitz im Landkreis Havelland ausgewählt. Nachdem das Äußere des Kirchengebäudes und die Gruft in den vergangenen zehn Jahren aufwendig saniert wurden, ist für die kommenden Jahre die Instandsetzung der Ausstattung beabsichtigt. Dringender Handlungsbedarf besteht vor allem für das Gemälde der Familie von Bredow, das große Schäden und schon erste Farbverluste aufweist. Bitte unterstützen Sie mit einer großzügigen Spende den Erhalt dieses außergewöhnlichen Gemäldes und helfen Sie damit den engagierten Ehrenamtlichen vor Ort.

Das Familienbild

Schon beim Betreten der Kirche fällt der Blick auf das großformatige Gemälde, das rechts neben dem Kanzelaltar hängt. Mit einer Höhe von 2,80 m und einer Breite von 3,95 m dominiert das Gruppenporträt die Ostwand und entfaltet neben dem Altar eine mächtige Wirkung. Im Zentrum des Gruppenbildes steht ein Kruzifix auf einem Sockel. Es wird von den Mitgliedern der Familie von Bredow umrahmt. Links steht Hans Christoph von Bredow (1623 –1691) mit den vier Söhnen, rechts seine Ehefrau Barbara Dorothea von Görne mit den sechs Töchtern. Zahlreiche, auch religiöse Inschriften auf dem Sockel, dem Kreuz und dem Rahmen des Gemäldes ergänzen die Darstellung. Äußerst interessant und ungewöhnlich ist das Gemälde aufgrund der Kombination verschiedener Bildgattungen. Es handelt sich weder um ein klassisches Gruppenporträt, wie wir es aus der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts kennen, noch um ein Epitaphgemälde zum Gedächtnis für verstorbene Familienmitglieder, denn alle Dargestellten lebten 1667 noch. Es ist aber angesichts der aufgemalten Bibelverse auch kein rein höfisches Repräsentationsbild, obwohl die Porträtierten in Dreiviertelansicht und dem Betrachter zugewandt, mit kostbarer Kleidung aus Seide, Samt, Spitze und edlem Schmuck in gehobenem Ambiente dargestellt sind.

Die Inschriften verweisen auf die Stellung und den Besitz von Hans Christoph von Bredow, nennen biografische Daten, die Familienverhältnisse und thematisieren die tiefe Gläubigkeit der Familie. Wir erfahren, dass der Vater Hans Christoph von Bredow am 5. November 1623 geboren wurde und die am 6. Januar 1622 geborene Barbara Dorothea von Görne am 29. Juni 1645 ehelichte. Von den zehn namentlich genannten Kindern kamen die sechs Mädchen 1646, 1648, 1649, 1651, 1654, 1658 und die vier Jungen 1653, 1655, 1657 und 1659 zur Welt. Die älteste Tochter Catharina Dorothea war 1664 bereits verheiratet. Dennoch ist sie wie ihre Schwestern gekleidet. Die Mutter hingegen trägt die Kleidung einer verheirateten Frau. Der älteste Sohn Georg wurde „Canonicus zu Brandenburg“, also ein hohes Mitglied des Domkapitels.

Das Wagenitzer Familienbild erzählt vom Stolz und von der Dankbarkeit und Gottesfürchtigkeit eines Adligen, dem es zusammen mit seiner Ehefrau nach dem Dreißigjährigen Krieg als einzigem Überlebenden seiner Linie gelungen ist, den Fortbestand seiner Familie zu sichern. An diesen Erfolg sollten die Wagenitzer und auch die späteren Bredow-Generationen erinnert werden.

Schäden am Gemälde und erforderliche Maßnahmen

Das Gemälde ist mit Ölfarben auf Leinwand gemalt worden, in einer handwerklich und künstlerisch konventionellen und zeitsparenden Technologie, wie sie Mitte des 17. Jahrhunderts insbesondere für große Formate sehr verbreitet war. Diese Maltechnik, bei der auf einer rötlich gefärbten Grundierung gemalt wurde, ermöglichte eine lebendige, stoffliche Darstellung der Personen mit kostbaren Gewändern, vor üppigen Vorhangdraperien und kostbarem Fliesenfußboden. Leider ist die Qualität der Malerei heute stark beeinträchtigt aufgrund von Verschmutzungen und nachgedunkelten Firnisschichten. Auch stören zahlreiche dunkle Flecken und Verfärbungen die Malerei, ältere Retuschen sind möglicherweise stark vereinheitlichend und vereinfachend ausgeführt worden. Es ist davon auszugehen, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Reparaturmaßnahmen aus der Vergangenheit ihrerseits gealtert sind und dass sie sich farblich stark verändert haben.

Besorgniserregend sind jedoch vor allem Verluste der Malerei: Kleine Teile lockern sich und können jederzeit abfallen, so dass wertvolle Bildinformationen verloren gehen könnten. Insbesondere bei den Bereichen mit Schrift würde das einen dramatischen Informationsverlust verursachen. Aber auch im Bereich der Gesichter sowie bei den Details der modischen Kleidung und des Schmuckes wären Malschichtverluste bedauerlich. Eine gründliche Festigungsmaßnahme der Malschicht ist deshalb dringend notwendig. Erhaltungsmaßnahmen sind auch am Bildträger nötig, da die Leinwand einige Beschädigungen wie Löcher und kleine Risse aufweist. Das große Format und die Veränderungen während der früheren Restaurierungsmaßnahmen stellen eine besondere Herausforderung an die Restaurierung dar. Es ist aber im Ergebnis eine deutliche ästhetische Verbesserung zu erwarten.

Die Kirche

Dorfkirche Wagenitz

Bereits seit dem 14. Jahrhundert ist Wagenitz eng mit der Familie von Bredow verbunden, da sich das ertragreiche Wagenitzer Gut in ihrem Besitz befand, seit die Familie von Bredow 1335 mit dem Ländchen Friesack belehnt wurde. Wagenitz nimmt also als Stammheimat eine zentrale Stellung für die Familiengeschichte der von Bredows ein. Eine erste Fachwerkkirche ist als Filialgründung von Senzke für das Jahr 1527 überliefert. Im Dreißigjährigen Krieg wurden 1635 der Ort und die Kirche von den Schweden zerstört. Hans Christoph von Bredow ließ 1664 einen Neubau errichten, der Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer Saalkirche erweitert wurde und einen Turm erhielt.

Die Wagenitzer Gruft, die heute zu den größten in der Region zählt, wurde wohl bereits 1664 mit dem Neubau der Kirche durch Hans Christoph von Bredow auf der Ostseite angelegt. In den vergangenen Jahren wurde sie aufwendig saniert. 26 Holzsärge, die aus der Zeit zwischen 1691 und 1849 stammen, konnten mit Hilfe von zahlreichen Fördermitteln restauriert werden.

Ob das Gemälde bereits in dem von Hans Christoph von Bredow nach dem Dreißigjährigen Krieg 1664 errichteten Vorgängerbau der Wagenitzer Kirche hing, ist nicht überliefert. Interessant ist jedoch seine Aufhängung über der Bredow´schen Gruft, die zusammen mit der religiösen Thematik des Bildes wiederum an ein großformatiges Epitaphgemälde denken lässt.

Claudia Rückert, Anne Haertel, Dörte Busch

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