Wiedereinweihung in Golm
Die Sanierung der Gebäudehülle ist abgeschlossen

Das Glockengeläut von der benachbarten, 1886 geweihten Neuen Kirche lud am Sonntag, 14. September 2025, zur Wiedereinweihung der Alten Kirche in Golm ein. Hanna Löhmannsröben, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats der neu gebildeten Trinitatisgemeinde, sprach vor dem zunächst noch verschlossenen Kirchenportal von einem 140 Jahre andauernden Dornröschenschlaf der Alten Kirche. Das Kronprinzenpaar Victoria und Friedrich hatte bei der Einweihung der Neuen Kirche bestimmt, dass die Alte Kirche zu erhalten sei. Dennoch wurden die beiden mittelalterlichen Glocken damals sofort an das Märkische Museum verkauft. Die Alte Kirche fand, da sie mitten auf dem Friedhof gelegen ist, einige Jahrzehnte als Begräbniskirche Verwendung. Nach der nur notdürftigen Reparatur der schweren im Zweiten Weltkrieg erlittenen Schäden konnte sie schließlich nur noch als Abstellraum genutzt werden.
Der Kirchbauverein Golm hatte sich schon seit vielen Jahren Gedanken über die Zukunft der Alten Kirche gemacht. Klar war, dass sie als Baudenkmal zu erhalten ist. So wurde schon im Jahr 2006 ein baugeschichtliches Gutachten erstellt. Das Mauerwerk der gerundeten Apsis und des Altartisches sowie die ältesten Hölzer des Dachstuhls sind demnach auf die Mitte des 15. Jahrhunderts zu datieren. Ihre heutige barocke Erscheinungsform erhielt das Kirchlein aber erst 1780.
Klar war aber auch, dass eine Finanzierung der umfangreichen Sanierungsarbeiten nur gelingen würde, wenn ein plausibles Nutzungskonzept gefunden würde. Da die Kirchengemeinde die Alte Kirche selbst nicht brauchte, dachte man zunächst an einen externen Träger oder Mieter. 2019 entstand, zumal Golm als Universitätsstandort ein wachsender Stadtteil der Landeshauptstadt ist, das Konzept eines Bürgertreffs „Begegnungshaus Alte Dorfkirche Golm“. Im April 2024 begannen die Bauarbeiten zur Sanierung der Gebäudesubstanz (siehe Zeitung „Alte Kirchen“, September 2024). Jetzt ist die Gebäudehülle saniert, sodass eine provisorische Nutzung schon möglich ist.
Nach der Ansprache der Vorsitzenden des Gemeindekirchenrats übergab Architekt Hans Öchsner vom Büro °pha Architekten den Schlüssel mit der Bemerkung, dass in einem weiteren Bauabschnitt eine Heizung sowie Teeküche und WC eingebaut werden sollen, damit die Nutzung als Bürgertreffpunkt Wirklichkeit werden könne. Im Kircheninneren überraschte das helle Tageslicht, denn die Fensteröffnungen waren nach dem Zweiten Weltkrieg vermauert worden. Zum Zeichen der Wiedereinweihung legte Superintendentin Angelika Zädow feierlich die alte Bibel wieder auf den historischen Altarblock. Nach dem Festgottesdienst erhielten Hanna Löhmannsröben und Johannes Gräbner, der Vorsitzende des Kirchbauvereins, sowie die scheidende Pfarrerin Anke Spinola herbstliche Sträuße und anhaltenden Applaus für ihren unermüdlichen Einsatz zur Wiederbelebung der Alten Kirche.
Hans Tödtmann