In Harnekop ist was los
15 Jahre Förderverein müssen gefeiert werden

Harnekop im Landkreis Märkisch-Oderland ist ein interessanter Ort mit bewegter Geschichte. Als Kirchdorf bereits 1375 erwähnt, wurden Dorf und Kirche im Dreißigjährigen Krieg schwer zerstört. Man sieht es an den Mauern der Kirche – die Feldsteine wurden beim Wiederaufbau nicht mehr regelmäßig angeordnet und mit anderem Baumaterial vermischt. Im 18. Jahrhundert wurde der Bau noch einmal verändert, unter anderem wurden die Fenster vergrößert und es wurde ein Kanzelaltar geschaffen. Im späten 19. Jahrhundert kam eine neugotische Fassade dazu und 1907 wurde eine Orgel installiert. Einen Turm hat die Kirche wohl nie gehabt. Die Orgelpfeifen mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden, danach wurde die Orgel wieder restauriert. Nach 1945 wurden die Pfeifen gestohlen, aber später Orgel und Kirche erneut renoviert. Danach aber ging es bergab. 1986 wurde die Kirche baupolizeilich gesperrt und vom Stromnetz genommen – bis sich am 6. August 2010 der Förderverein Dorfkirche Harnekop gründete, der sich zum Ziel setzte, die Kirche wieder nutzbar zu machen. Es folgte nun eine Notinstandsetzung: Das Dach wurde repariert, provisorische Holzstützen eingebaut und ein Gutachten für die Renovierung in Auftrag gegeben. Die Kirche ist seitdem wieder begehbar. Zahlreiche Veranstaltungen fanden seitdem in der Kirche statt.
Am 10. August 2025 wurde das 15-jährige Jubiläum des Fördervereins mit einem Gottesdienst gefeiert. Pfarrerin Barbara Kohler hielt eine eingängige Predigt und ersetzte die Orgel routiniert durch Laptop und Lautsprecher und so wurde auch gut gesungen – keine Selbstverständlichkeit, denn in der Kirche finden nicht mehr regelmäßig Gottesdienste statt. Etwa 50 Personen waren gekommen. Nach dem Gottesdienst gab die Vorsitzende des Fördervereins Anette Hirseland einen Rückblick über Gründung und Aktivitäten des Vereins und stellte den Vorstand vor. Es wurden Kerzen für die verstorbenen Mitglieder angezündet. Uwe Donath, der ehemalige Regionalbetreuer des Förderkreises Alte Kirchen, wurde für seine jahrelange Unterstützung geehrt. Der nächste Höhepunkt war der Festvortrag des Oderbruch-Experten Dr. Reinhard Schmook, der sehr anschaulich über die Geschichte der Kirche referierte. Er erzählte zum Beispiel, dass der 1919 verstorbene Gutsherr von Harnekop, Generalfeldmarschall Gottfried Graf von Haeseler, vor dem Altar zwischen seinen Eltern in einer Gruft begraben sei. Vor einem heute nicht mehr vorhandenen Gedenkstein hätte ihm jedes Jahr zum Geburtstag eine Abordnung seines Regiments feierlich die Ehre erwiesen.
Nach dem Festakt wurde bei Kaffee und Kuchen in dem wunderschönen, beeindruckenden neuen Gemeindehaus gefeiert, das erst vor Kurzem fertiggestellt worden war und hinter der Kirche liegt. Hut ab vor Harnekop und seinen sehr aktiven Gemeindevertretern kann man da nur sagen! Der 1,2-Millionen-Euro teure Bau wurde mit Bundesmitteln finanziert und soll der gesamten Gemeinde Prötzel dienen. Hier gibt es Sport, Fitness, Yoga, Qi Gong, Tai Chi, Spieleabende, Bastelnachmittage, Computerarbeitsplätze, Physiotherapie, Friseurbesuche, Fußpflege. Aber auch der sehr aktive Karnevalsverein hat hier seinen Sitz. Die Anlage wird durch einen Mehrgenerationen-Spielplatz und einen Steingarten ergänzt.

Ganz sicher wird der sehr aktive Förderverein Dorfkirche Harnekop e.V. durch dieses neue „power house“ noch mehr Schub bekommen – es bietet sich an, beide „Aktivzentren“ zu verbinden. Denn der Förderverein macht auch mobil – mindestens das Frühlingsfest, Konzerte (Dieses Jahr gab es sogar Musik aus Argentinien!) und der Adventsmarkt gehören jedes Jahr zum Programm.
In der Kirche soll nun endlich der Stromanschluss wiederhergestellt werden – bisher behalf man sich mit einem Verlängerungskabel und einem Laternenmast. Spenden sind dafür gefragt. Gegen Spende kann man einen handgefertigten schönen „Spendenziegel“ in limitierter Auflage oder Postkarten der Kirche erhalten. Näheres unter www.dorfkirche-harnekop.de.
Noch einen Blick auf die Geschichte des Dorfes: Im Haeseler-Schloss Monchoix in Harnekop war 1945 der Generalstab der deutschen Oderfront stationiert – Hitler machte hier seinen letzten Frontbesuch. Das Schloss wurde in den letzten Kriegstagen von der fliehenden Wehrmacht gesprengt. Die DDR baute später ganz in der Nähe im Wald einen streng geheimen Atombunker, der im Falle eines Krieges die Hauptführungsstelle des Verteidigungsministeriums sein sollte. Den soll man bald wieder besichtigen können. Die damals zugehörigen Fahrzeughallen kann man schon jetzt besuchen.
Philipp Schauer