von Britta Hilpert

Die Glocke läutet wieder

Turm und Eingang der Dorfkirche Groß HaßlowFoto: Britta Hilpert
Kirche in Groß Haßlow

Neuer Förderverein in Groß Haßlow nimmt Schicksal der Dorfkirche in die Hand

Im Herbst 2025 haben sich Bürgerinnen und Bürger aus Groß Haßlow zusammengetan, um das Schicksal ihrer Dorfkirche in die Hand zu nehmen. Der Verein „Dorfkirche Groß Haßlow 1743 e.V.“ wurde am 9. November 2025 gegründet und ist als gemeinnütziger Verein tätig.

Seine Ziele sind: Denkmalschutz und Denkmalpflege – Erhalt, Restaurierung und sachgerechte Unterhaltung der Dorfkirche von 1743 und ihres Umfelds, Kunst und Kultur – öffentlich zugängliche Veranstaltungen in und an der Kirche, Heimatpflege und Heimatkunde – Erforschung und Vermittlung der Geschichte der Kirche und des Ortes Groß Haßlow.

Der Verein arbeitet eng mit der Evangelischen Kirchengemeinde „Zwischen Dosse und Heide“ zusammen und versteht sich als Teil einer langfristigen Partnerschaft für die Renovierung der Kirche.

Die denkmalgeschützte Dorfkirche von Groß Haßlow ist seit Jahrhunderten der sichtbare Mittelpunkt des Runddorfes. Die 1743 errichtete, den Bauwerken Schinkels ähnliche Domänenkirche hat ein ungewöhnliches Pyramidendach und beherbergt eine der ältesten Glocken der Prignitz von 1563.

Leider hat die Geschichte der Kirche an diesem Ort oft übel mitgespielt. Sie wurde geplündert, brannte ab oder wurde zweckentfremdet. Zuletzt waren es die sowjetischen Soldaten, die hier – so erzählt man es sich – nach dem Krieg ihre Pferde einstellten. Die Kirche beherbergt in ihrem weithin sichtbaren markanten Turm eine Winterkirche mit einem Bogenfenster. Doch der Zustand der Kirche ist kritisch: Der Dachstuhl weist erhebliche Schäden auf, darunter Schwammbefall, besonders der Glockenturm bedarf dringender Instandsetzung.

Historische Glocke von 1563 im Glockenturm von Groß HaßlowFoto: Britta Hilpert
Glocke von 1563

Seit der Gründung des Fördervereins findet die Kirche als Dorfmittelpunkt wieder mehr Beachtung und macht so den Sanierungsbedarf drängender. Kleinere Reparaturen hat der Verein selbst organisieren können. So machte die Freiwillige Feuerwehr mit ihrem Hubrettungsfahrzeug eine Übung an der Kirche und konnte bei der Gelegenheit lose Dachziegel wieder befestigen. Und die Glocke läutet wieder, weil ein Vereinsmitglied technisch begabt genug war, um die Reparatur selbst durchzuführen.

Der Verein „Dorfkirche Groß Haßlow 1743 e.V.“ organisiert Veranstaltungen, von Public Viewing bis zu Konzerten und hat mit Hilfe einer großzügigen Spende der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin auch eine Boulebahn neben der Kirche bauen können. Bisher war es ein Hobby auf der Sandstraße – nun haben wir am 15. August erstmals professionell im Schatten der Kirche den „Gross Hasslow Cup“ ausgekugelt.

Am 30. August plant der Verein einen weiteren Meilenstein: Eine Ausstellung zur Geschichte der Kirche und des Dorfes wird eröffnet und die Infrastruktur für die Radwegekirche wird eingeweiht. Wieder ein guter Grund im Schatten der Kirche zusammen zu kommen zu Kuchen oder Würstchen – und dem dazu passenden Getränk.

Musikalische Veranstaltung in der Dorfkirche Groß HaßlowFoto: Britta Hilpert
Veranstaltung in der Kirche

Für die Rettung der Kirche gibt es einen Sanierungsplan, der umfassend und langwierig ist. Das Wichtigste ist die Sanierung des Glockenturms, dann aber muss auch der Dachstuhl und die Hallenkirche selbst in Angriff genommen werden – ein großes und kostspieliges Ziel, für das der Verein um finanzielle Unterstützung wirbt.

„Wir wollen mehr als eine Kirche sein. Wir wollen einen Ort für alle.“ sagen die Engagierten vom Förderverein. „Wir wollen die Dorfkirche zu einem multifunktionalen Begegnungsort entwickeln.“ Die kirchliche Nutzung soll selbstverständlich erhalten bleiben. Aber erklärtes Ziel ist auch, dass die Kirche dauerhaft und sicher genutzt werden kann – für Gottesdienste ebenso wie für Kultur und Gemeinschaft.

www.dorfkirche1743.de

Britta Hilpert

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