Die Dorfkirche von Ferchesar (Landkreis Havelland)

Kirche Ferchesar 
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Als "Perle des Havellandes" wird das malerisch an der Ostspitze des Hohennauener Sees gelegene Dorf Ferchesar bezeichnet. Seit über einhundert Jahren ist der Ort ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsziel stressgeplagter Großstädter; Wassersportler und Angler suchen hier in großer Zahl nach Entspannung und Ruhe. Mittelpunkt des Dorfes ist die hübsche Kirche, die malerisch am Ende einer von alten Kastanien gesäumten Allee auf dem Dorfanger steht.

Entstanden ist der barocke Fachwerkbau 1735/37. Der Kirchturm musste bereits 1838 ausgebessert und nach erneuter Baufälligkeit 1906 völlig neu gebaut werden, seine neubarocke Form passt sich dem Kirchengebäude jedoch dezent an. Die "Zwiebelhaube" über der Turmlaterne erinnert wohl absichtlich an das Wappen der damaligen Patronatsfamilie von Knoblauch.

Der einfache Kanzelaltar entstand 1788, zeitgleich mit der von Zimmerermeister Berbaum aus Friesack geschaffenen Ostempore. Überraschend für den Besucher ist das Vorhandensein eines zweiten Altares, der wohl noch aus dem Vorgängerbau stammen dürfte. Im Mittelfeld des spätgotischen Schnitzretabels findet sich Maria zwischen den Figuren der Heiligen Barbara und Katharina. In den Seitenflügeln sind Darstellungen der Heiligen Andreas und Antonius sowie von Maria Magdalena erhalten geblieben. Die Rückseite dieses Altares zeigt in Tempera eine qualitätsvolle Darstellung der Verkündigung.

Wie an so vielen alten Kirchen hat jedoch auch an der von Ferchesar der Zahn der Zeit genagt. Instandsetzungsarbeiten, unter anderem im Bereich des Dachstuhls wären dringend notwendig. Doch der Kirchengemeinde fehlt, wie an vielen anderen Orten auch, das nötige Geld.

Die Evangelische Reformgemeinde Westhavelland umfasst insgesamt sechzehn Dörfer mit ebenfalls sechzehn Dorfkirchen. Eines davon ist Ferchesar. In dem gemeinsamen Gemeindekirchenrat, in dem aus jedem Ort ein Vertreter sitzt, werden Entscheidungen mitunter lange diskutiert, gerade wenn es um Geld für die Reparatur von Kirchengebäuden geht. Für den Bauunterhalt sämtlicher Kirchengebäude stehen aus Kirchensteuermitteln pro Jahr etwas über 7.000 Euro zur Verfügung Tendenz sinkend.

Im Wintersemester 2005/2006 haben Studenten der Bauhaus-Universität Weimar die Kirchengebäude des Pfarrsprengels Westhavellands denkmalgerecht aufgemessen und in ihrem Bestand bewertet. Nach Gesprächen mit den Menschen vor Ort und Untersuchungen der kirchlichen und kommunalen Infrastruktur wagten die Studierenden am Schluss ihrer Arbeit Prognosen für einzelne Kirchen und stellten Fragen nach ihrer Zukunft. Eine Ausstellung in der Orangerie des Schlossparks von Nennhausen macht die Ergebnisse dieser Untersuchungen noch bis zum September der Öffentlichkeit zugänglich. In den einzelnen Dörfern wurde die Veröffentlichung, die den provozierenden Untertitel "Eine Ausstellung zur Schrumpfung im ländlichen Raum" trägt, sehr kontrovers diskutiert.

Für die Dorfkirche von Ferchesar sehen die Weimarer Studenten nur dann eine Perspektive, wenn es vor Ort gelingt, Menschen zu finden, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Am Donnerstag, dem 27. Juli, hat sich in Ferchesar der Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Ferchesar e.V. gegründet, der die Kirche im Dorf lassen will. Eine bessere Antwort auf pessimistische Zukunftsprognosen gibt es wohl nicht. Wir wünschen dem neu gegründeten Verein viel Erfolg bei seiner Arbeit!


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 12. Dezember 2009: Spenden der Firstwood-Firmeneinweihung kommen dem Förderverein zur Erhaltung der Ferchesarer Kirche zugute
Märkische Allgemeine vom 26. November 2012: Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Ferchesar stellte Sanierungskonzept vor
You Tube vom 07.07.2014: Aufstieg auf den Kirchturm in Ferchesar / Havelland
Mitteilungsblatt Dezember 2014: Schritt für Schritt mit dem Ziel vor Augen
Märkische Allgemeine vom 04. Juli 2016: Geld für Sanierung der Dorfkirche bewilligt
Märkische Allgemeine vom 17. Januar 2017: Dorfkirche Ferchesar wird saniert
Märkische Allgemeine vom 17. Februar 2017: Geheimnis der Kirchturmkugel gelüftet
Märkische Allgemeine vom 21. Juni 2017: Turmkugel ist wieder auf der Kirche
Märkische Allgemeine vom 14. Oktober 2017: Kirchenorgel wird aufwendig saniert

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