Die Dorfkirche von Wulfersdorf (Landkreis Oder-Spree)

Dorfkirche Wulfersdorf 
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Dorfkirche Wulfersdorf - Innen
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Dorfkirche Wulfersdorf - Innen
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Bei Fontane kommt Wulfersdorf nur in einer Fußnote vor. Im Kapitel "Schloss Kossenblatt" des Bandes Oderland berichtet der märkische Wanderer von einem 1736 erfolgten Besuch des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. in der Kossenblatter Kirche, über die er als Besitzer des Ortes das Patronat hatte. Da der dortige Pfarrer krank war, musste sein Amtskollege aus dem benachbarten Wulfersdorf die Predigt halten, die allerdings dem Monarchen gründlich missfiel. Zur Strafe beorderte der König den Wulfersdorfer Pfarrer eigens nach Berlin, wo er über ihm vorgeschriebene Texte vor Seiner Majestät predigen musste.

Die Wulfersdorfer Kirche, wie erwähnt, besuchte Fontane nicht. Der im Ursprung mittelalterliche Feldsteinbau wurde 1670 unter dem Patronat der Familie von Maltitz grundlegend umgebaut. Die Außenmauern sind seitdem verputzt und über dem Westgiebel wurde ein einfacher verbretterter Dachturm mit einem Pyramidendach aufgesetzt.

Die einheitliche Ausstattung im schlichten Barock entstand im 18. Jahrhundert. Der einfache, jedoch qualitätsvolle Kanzelaltar zeigt keinerlei figürliche Darstellungen. Unter dem Kanzelkorb findet sich in der Predella der Satz "Es ist vollbracht!" (Johannes 19,30), als Hinweis auf die Passionsgeschichte. Erhalten blieben die Altarschranken, die in den meisten Dorfkirchen inzwischen beseitigt sind. Einziger Schmuck des Kanzelaltares ist eine ornamentale bauzeitliche Bemalung, die sich auch auf dem übrigen Inventar (Taufe, Gestühl und Empore) sowie auf der geraden Balkendecke wiederfindet.

Aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt der schöne Orgelprospekt. Leider ist nicht mehr bekannt, welches Orgelwerk ursprünglich hier vorhanden war. Das heutige Instrument mit pneumatischen Kegelladen stammt von der Orgelbau-Anstalt aus Liebenwerda und wurde (entgegen anderslautender Angaben) zwischen 1909 und 1912 für die Wulfersdorfer Kirche gebaut. Das stark verschmutzte Instrument ist gegenwärtig nicht spielbar und bedarf dringend einer gründlichen Restaurierung.

Zuvor jedoch muss das Kirchengebäude selbst instandgesetzt werden. Durch eindringende Feuchtigkeit sind die Balkenköpfe im Mauerwerksbereich stark geschädigt. Ein Gutachten listet die Schäden an Dachstuhl und Dachdeckung auf und nennt eine Gesamtsumme von etwa 150.000 Euro für die nötigsten Reparaturarbeiten.

Für die kleine Gemeinde allein ist diese Summe nicht aufzubringen. Im Februar gründete sich deshalb in Wulfersdorf ein Förderverein mit bislang 17 Mitgliedern, der die Sanierung des Kirchleins vorantreiben will. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, doch schon in diesem Jahr sollen erste Förderanträge auf den Weg gebracht werden.

Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Wulfersdorf; Frau Gisela Werner; Wulfersdorf 15; 15848 Tauche / OT Wulfersdorf; Tel.: (03 36 75) 53 04


Zum Weiterlesen:
Mitteilungsblatt August 2009: Malerei aus der Zeit des Barock in einzigartiger Fülle
Märkische Oderzeitung vom 09. Dezember 2010: Damit die Kirche im Dorf bleibt
Märkische Oderzeitung vom 25. April 2011: Viel Kultur für ein neues Kirchendach
Märkische Oderzeitung vom 11. April 2012: Damit die Dorfkirche erhalten bleibt
Märkische Onlinezeitung vom 28. September 2017: Fürs neue Antlitz gerüstet

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