Gut gerüstet Kirchengebäude näherbringen
Über den ersten Ausbildungskurs für ehrenamtliche Kirchenführerinnen und Kirchenführer

Im Evangelischen Kirchenkreis Zossen-Fläming endete der erste Ausbildungskurs für ehrenamtliche Kirchenführerinnen und Kirchenführer. Finanziell unterstützt wurde er auch vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
Das war ein großer Tag für die 21 Teilnehmenden des ersten Ausbildungskurses für ehrenamtliche Kirchenführerinnen und Kirchenführer im Evangelischen Kirchenkreis Zossen-Fläming. Am Samstag, den 27.09.2025, erhielten sie in der Dorfkirche Stülpe (Nuthe-Urstromtal) von den beiden Kursleitenden Annegret Gehrmann (Ev. Kirchenkreis Niederlausitz) und Pfarrer Friedemann Düring (Ev. Kirchenkreis Zossen-Fläming) ihre Teilnahme-Urkunden ausgehändigt.
Der letzte von insgesamt sechs Kurstagen war dabei noch einmal inhaltlich prall gefüllt. Nach Beginn in der Dorfkirche Rangsdorf und einem Impuls zur Architektur des 19. Jahrhunderts ging es zum Abschluss in die Dorfkirche Stülpe (Nuthe-Urstromtal). Dieser Kirchenbau aus dem 16. Jahrhundert beherbergt wie kein zweiter in der Region Kunstgegenstände aus den unterschiedlichsten Bau-Epochen Europas: Von Weihekreuzen (eher in der Romanik anzutreffen), über gotische Flügelaltäre aus einer ehemaligen Wallfahrtskapelle auf dem nahegelegenen Golm, Epitaphe der Renaissance-Zeit bis hin zum prächtigen barocken Kanzelaltar – also bestens geeignet, damit die Kursteilnehmenden in der Kirche noch einmal ihr erworbenes Wissen in einer Abschlussübung anwenden konnten.
Im Kurs ging es aber nicht nur um die großen Kulturepochen Europas und wie sie in den Kirchen der Region ihren Widerhall fanden. Sondern auch darum, kirchenpädagogische Methoden kennenzulernen, die auch kirchenferneren Interessierten helfen, die einzigartigen Gebäude besser zu verstehen.
„Grundprinzip ist dabei, dass Kirchenbesucherinnen und -besucher nicht nur die Fakten präsentiert bekommen, sondern selbst die Möglichkeit erhalten, sich den Raum und die Gegenstände anzueignen. Dabei sollte auch Raum sein, sich mit eigenen Lebens- und Glaubensvorstellungen einzubringen“, sagt Kreispfarrer Friedemann Düring, der für diesen Ausbildungsteil sowie die Kursorganisation verantwortlich war.
Annegret Gehrmann kümmerte sich als Kunstgutbeauftragte des Nachbarkirchenkreises Niederlausitz um die Merkmale der jeweiligen Bauepochen von der Romanik bis zum Historismus des 19. Jahrhunderts. „Wir brauchen hier im ländlichen Raum keine großartigen Ausbildungskurse, die jedes Detail der Baugeschichte berücksichtigen, sondern niederschwellige Angebote, die Menschen befähigen, ihre Ortskirchen ansprechend zu präsentieren“, sagt Gehrmann, die sich als Vorsitzende des Förderkreises Alte Kirchen in der Niederlausitz seit vielen Jahren um den Erhalt von Dorfkirchen und die Ausbildung ehrenamtlicher Kirchenführerinnen und Kirchenführer in der Niederlausitz kümmert.
Rund ein Drittel der Teilnehmenden waren keine Kirchenmitglieder. Zum Abschluss betonten alle, wie sehr ihnen der Ausbildungskurs geholfen hätte. Der Mut, selbst eine Kirchenführung anzubieten, sei gewachsen. Aber auch der Erfahrungsaustausch untereinander war wichtig.
Dieser soll auch über den Kurs hinaus weitergehen. So sind jährliche Fortbildungs- und Vernetzungstreffen geplant. Ein Netzwerk ehrenamtlicher Kirchenführerinnen und Kirchenführer soll im Kirchenkreis entstehen. Ein weiterer Grundkurs ist für das kommende Jahr geplant.
Friedemann Düring
