Kurz vor der Fertigstellung
Spendenobjekt „Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe 2023/24“ in Wiesenburg

wieder zum Vorschein.
Im Querschiff der St. Marienkirche in Wiesenburg hat das Holzepitaph der Margareta von Dieskau seinen angestammten Platz. Es wurde bei jeder Kirchenführung gezeigt und sein geschichtlicher Hintergrund erklärt: Dass die Schlossherrin im Jahre 1568 im Kindbett starb und auf dem Bild ihr Töchterchen weggeben musste, während sich die trauernden Verwandten rechts und links des Bettes versammeln und im Hintergrund das Leben weitergeht.
Niemandem war jedoch bewusst, in was für einem schlechten Zustand das Kunstwerk war und dass es dringend gerettet werden musste. Dies wurde letztendlich angestoßen durch eine Anfrage, das Bild für eine Untersuchung bezüglich früherer Malschichten nach Köln zu transportieren. Nach einer Begutachtung war jedoch klar, dass es nicht transportfähig war, stattdessen eine Notsicherung erfolgen musste. Diese geschah 2023, und im Anschluss wurde die Restaurierung in Angriff genommen, deren Kosten sich auf 24.936,45 Euro belaufen würden, eine große Summe für die 600 Seelen zählende Kirchengemeinde.
Daher war es ein großes Glück, dass das Holzepitaph für die die Aktion „Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe“ vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz für das Jahre 2024 ausgewählt wurde. Damit begann eine Spendenaktion, die schließlich 14.198,50 Euro einbrachte und letztendlich die Restaurierung ermöglichte. Nach der Vorstellung des Projektes am 29. November 2023 in der Staatskanzlei in Potsdam erlangte durch Presseveröffentlichungen das Bild dann auch eine gesteigerte Bekanntheit, und so Manchem mag auch das Schicksal der dargestellten Frau zu Herzen gegangen sein, finden sich doch selten in Kirchen Darstellungen, die das persönliche Leid eines Menschen und seiner Angehörigen auf so ergreifende und persönliche Weise zeigen. Spontan kam es auch zu einem Benefizkonzert der Berliner Sängerin „Freddi K“, die auch vom Bild angerührt war. Neben der Spendenaktion beteiligten sich auch weitere Einzelspender und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an der vollständigen Finanzierung.

Nach einer kurzen Zeit in einer Begasungskammer konnte im August 2025 in der Werkstatt der Restauratorin Andrea Himpel in Halle (Saale) die Restaurierung begonnen werden. Neben der Stabilisierung der Holzsubstanz und der Malschichtenkonsolidierung wurden die älteren, sehr vergilbten Firnisschichten und Übermalungen mit einem Lösungsmittelgemisch abgenommen. Es zeigte sich, dass darunter eine viel hellere und detailreichere Malerei zum Vorschein kam. Spätere Übermalungen haben viel verdeckt. Diese wurden entfernt. Außerdem wurde die Innenseite des Rahmens neu vergoldet.
Durch die Freilegungen ist die hohe Qualität der Malerei auf diesem Bild erst richtig erkennbar, und es gibt noch mehr Anlass, das Bild der Cranachschule zuzuschreiben. Ende November wird es in der Wiesenburger Kirche zurückerwartet.
Stephan Schönfeld